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Ladenburg – Geschichte und Gegenwart

von R. Beedgen, B. Stahl und R. Ziegler

Ladenburg ist wohl die älteste Stadt in Deutschland rechts des Rheins und damit eine der ersten und bedeutendsten Stadtgründungen im Land. Ladenburg ist heute eine überaus lebendige Stadt, die auf eine spannungsreiche Geschichte stolz sein kann.

Historie

Die Kelten nutzten ca. 3.000 Jahre vor der Zeitenwende einen Neckarschwemmkegel, um Ursprünge der heutigen Stadt zu legen. Sie gaben der Siedlung auch einen Namen, dessen Bedeutung noch im Dunkel der Zeit liegt, der aber in Wurzeln im heutigen Stadtnamen überlebt. Im Südosten der Stadt konnten Reste einer Keltenschanze ausgegraben werden, eine quadratische Anlage, die wohl kultischen Zwecken diente. Die folgenden Jahrhunderte bleiben noch weitgehend verborgen. Licht in die Ladenburger Geschichte kommt wieder um die Zeitenwende. Die Neckarsweben, ein germanischer Stamm, wanderten aus dem Elbegebiet ein. Um 70 n. Chr. etablierte sich das römische Weltreich. Zunächst errichtete es ein Kastell und demonstrierte militärische Präsenz. Im Jahr 98 n. Chr. erhob der römische Kaiser Trajan Ladenburg zum Hauptort der Civitas Ulpia Sueborum Nicrensium. Damit wurde die Voraussetzung geschaffen, Trajan-Münzedass sich Ladenburg zur römischen Provinzstadt entwickeln konnte. Um 200 erlebte das von den Römern so bezeichnete Lopodunum eine Blütezeit. Die Stadt besaß eine Stadtmauer, innerhalb derer u. a. Tempel, ein Schauspieltheater, Thermen und ein Forum mit einer unmittelbar daran angrenzenden Marktbasilika anzutreffen waren.
Römische Marktbasilika
Lopodunum war weit über seine Grenzen hinaus bekannt und die hochentwickelte Zivilisation der Römer machte Eindruck auf die ansässige Bevölkerung. Doch von Norden und Osten kommend, verdrängten die Alemannen um das Jahr 260 die Römer, die in ihrem ganzen Weltreich mit Zerfallserscheinungen zu kämpfen hatten. Bis auf eine kurze römische Episode um das Jahr 360 war die Zeit der Römer zu Ende. Ladenburg erlebte die Völkerwanderung und mit ihr verschwanden die Zeichen der römischen Zivilisation. Um das Jahr 500 zeigten die Franken in Ladenburg mit einem Königshof ihre damalige Bedeutung. Ladenburg wurde zur Hauptstadt des Lobdengaus. Gut 100 Jahre später schenkten die Franken Ladenburg dem Bischof von Worms, der die Stadt zu einer Nebenresidenz entwickelte. Es begann eine bis zum Jahr 1705 währende bischöfliche Herrschaft. Sie ermöglichte Ladenburg die Entwicklung zu einer mittelalterlichen Stadt.

Sichtbare Zeichen dieser Präsenz sind bis Bischofshof - Sommerresidenz der Wormser Bischöfeheute die St. Gallus-Kirche, die St. Sebastian-Kapelle, der Bischofshof (heute Lobdengau-Museum) und der Fürstenbau (heute Stadtbibliothek).

Die Stadt erhielt im 9./10. Jahrhundert eine erste und um 1200 eine erweiterte mittelalterliche Stadtmauer. Von dieser Stadtmauer sind neben den erhaltenen Mauerzügen heute noch das Martinstor, der Hexenturm und Teile des Pfaffenturmes besondere Merkmale und touristische Anziehungspunkte der Stadt.

Blick vom hist. Marktplatz auf St. Gallus Die Bischofspräsenz brachte eine Reihe von Aufenthalten deutscher Könige und Kaiser mit sich, so etwa Heinrich II., Heinich IV. oder Maximilian I. Mit dem Bau der zweitürmigen gotischen St. Gallus-Kirche vom 13. bis zum 15. Jahrhundert unterstrichen sie die Bedeutung Ladenburgs. Der Kurfürst von der Pfalz trat bestimmend im 14. Jahrhundert in die Geschicke der Stadt ein. Die Reformation im 16. und 17. Jahrhundert brachte erhebliche Verwicklungen mit Zerstörungen für die Stadt. Geprägt wurde diese konfliktreiche Zeit dadurch, dass ein katholischer Bischof von Worms und der Kurfürst von der Pfalz, der früh den Ideen der Reformation folgte, hier direkt aufeinander trafen.

Die Zeit der Wormser Bischöfe ging im Wesentlichen 1705 mit dem Zessionsvertrag zwischen dem Kurfürsten und dem Bischof zu Ende. Die Zerschlagung der Kurpfalz durch Napoleon ließ die Ära der Kurfürsten enden. 1803 wurde die Geschichte der Stadt in die Hände des badischen Großherzogs in Karlsruhe gelegt, mit nicht allzu positiven Auswirkungen für die Stadt. Die Revolution von 1848 brachte mecklenburgische Soldaten, die auf der Seite des Großherzogs kämpften, in die Stadt und als Gefallene auf den Ladenburger Friedhof.

Persönlichkeiten


Archangelo CorelliMit der Geschichte Ladenburgs sind auch die Namen bedeutender Persönlichkeiten verbunden. Neben dem Wormser Bischof Johannes von Dalberg (1445-1503), einem bekannten Humanisten, sind es Johann Friedrich von Seilern (1646-1715), ein Ladenburger Färbersohn, der zum Kanzler des Heiligen Römischen Reiches aufstieg und die Pragmatische Sanktion verfasste, die der habsburgischen Kaiserin Maria Theresia den Weg auf den Kaiserthron ebnete. Zu erwähnen sind auch der italienische Komponist und Geiger Arcangelo Corelli (1653-1713), der den vom Kurfürsten Johann Wilhelm verliehenen Titel "Marques de Ladenburg" trug, und Johann Christoph Sauer (1695-1757), der 1724 nach Amerika auswanderte und dort die erste Bibel in deutscher Sprache herausgab.

Carl BenzDer Erfinder des Automobils, Dr. Carl Benz (1844-1929), lebte von 1904 bis zu seinem Tode in Ladenburg. Er erhielt ebenso wie seine Frau Bertha das Ehrenbürgerrecht der Stadt; ihr Grabmal befindet sich auf dem Ladenburger Friedhof. Das Benz-Haus, die im Benz-Park stehende wohl älteste Steingarage und das Automuseum Dr. Carl-Benz zählen ebenfalls zu den besonderen Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Weitere bedeutende Ehrenbürger der Stadt waren der große Archäologe Dr. Berndmark Heukemes (1924-2009), der die Geschichte der Stadt im wahrsten Sinne des Wortes sichtbar machte, und Bürgermeister Reinhold Schulz (1931-2008), der sich 28 Jahre lang mit großem Engagement insbesondere der Stadtsanierung widmete. Das heutige Gesicht der Stadt ist maßgeblich diesen beiden Persönlichkeiten und dem bürgerschaftlichen Engagement der Heimatbund-Mitglieder zu verdanken.

Ladenburg heute

Nachdem die Stadt bis Mitte des 20. Jahrhunderts ein eher verschlafenes Dasein führte, wurde ab den 60er Jahren die historische Substanz immer mehr erkannt. Ladenburg erlebte eine Entwicklung, die zu einer grundlegenden Sanierung der historischen Altstadt führte. Dies konnte nur unter Mithilfe des Landes Baden-Württemberg durch eine gezielte Förderung von privaten und öffentlichen Initiativen erreicht werden. Im Bundeswettbewerb "Stadtgestalt und Denkmalschutz im Städtebau" erhielt die Stadt Ladenburg bereits 1978 für ihre Bemühungen um die erhaltende Erneuerung des Altstadtkerns eine Goldplakette.

Blick ins Die Stadt gab sich eine Altstadtsatzung und das Land stellte die historische Altstadt unter den Schutz einer Gesamtanlagenverordnung. Außerdem wurde Ladenburgs Stadtkern zum Grabungsschutzgebiet erklärt. Neben den Anstrengungen der Stadt, des Archäologen Dr. Heukemes und des Heimatbundes Ladenburg zur Bewahrung des geschichtlichen Erbes und seiner Zeugnisse unterstützen von jeher die Denkmalbehörden durch Grabungen und Veröffentlichungen die weitere Erschließung der Ladenburger Geschichte. Für ihre Leistungen zum Auffinden und zum Schutz des historischen Erbes wurde der Stadt und dem Heimatbund im Jahre 2010 der baden-württembergische Archäologiepreis verliehen.

In der liebevoll gepflegten Altstadt mit ihren heimeligen Gassen, Plätzen und Winkeln gibt es nicht nur attraktive Wohnungen und Läden, sondern auch das Lobdengau-Museum mit Archäologie, Volkskultur und Stadtgeschichte, gibt es Kunstgalerien und Künstlerateliers, originelle Gaststätten und Hotels und vieles mehr. Auch der Besuch der nahe zusammen stehenden Kirchen lohnt sich sehr. Dass die Pflege der Tradition den Fortschritt nicht ausschließt und Ladenburg den Anschluss an die Zeit nicht verpasst hat, beweisen das Bildungszentrum mit seiner regionalen Bedeutung‚ die Lobdengauhalle, das Römerstadion sowie zahlreiche Einrichtungen wie die Musikschule, die Stadtbibliothek, das Freibad und viele mehr, die den Wohn- und Erholungswert der Stadt ausmachen.

Neben dem Wohnen und dem Erholen wird in der Stadt auch kräftig gearbeitet. Es pendeln immer noch mehr Menschen zum Arbeiten in die Stadt als hinaus. Dafür sorgen viele Arbeitsplätze in unterschiedlichsten Branchen, wobei globale technik- und chemiegeprägte Unternehmen eine große Bedeutung haben.

Die besiedelte Stadt und ihre Freiräume mit einem Blick in die Zukunft

Ladenburg hat mit nahezu 12.000 Einwohnern eine gute Größe erreicht, die nicht übermäßig wachsen soll, um den Charakter und den Charme der Stadt mit ihrem historischen Kern zu bewahren. Gut 40 Jahre erfolgreiche Stadtentwicklungspolitik haben das heutige Erscheinungsbild möglich gemacht. Während in den ersten drei Jahrzehnten der Stadtsanierung besondere Aufmerksamkeit geschenkt wurde, galt es Anfang des 21. Jahrhunderts, sich mit einem weiteren Schwerpunkt den zwar zum großen Teil bereits vorhandenen, aber nur unzureichend gepflegten Grünanlagen und anderen Freiräumen zu widmen.

Mit der erfolgreichen Bewerbung um eine "Kleine Landesgartenschau", dem sogenannten Grünprojekt, mit dem Motto "Leben und Erleben Ladenburg" konnte diese Aufgabenstellung in die Tat umgesetzt werden. Bis zum Jahre 2005, dem erlebnisreichen Veranstaltungsjahr zum Grünprojekt wurden die vorhandenen Grünanlagen erneuert und mit neu geschaffenen qualitätsvollen Freiräumen zu einem "grünen Gürtel" um die Stadt vervollständigt. Dem Juwel Altstadt wurde sozusagen eine grüne Fassung gegeben.

Eine Vielzahl von landschaftsarchitektonischen und städtebaulichen Maßnahmen, Gewässerlandschaften, Spielplätze und ein Skaterpark, herrlicher Blumenschmuck in der historischen Altstadt und ein künstlerisches Bauwerk am Neckar als neue Marke der Stadt wurden verwirklicht. Die Sichtbeziehungen zwischen der Stadt und der freien Landschaft wurden verbessert, die vorhandene und die im Zuge der Baumaßnahmen wieder entdeckte historische Bausubstanz wurde herausgestellt und die beneidenswerte Eigenschaft Ladenburgs, Stadt am Fluss zu sein, wurde endlich deutlicher ausgeprägt.

Die mit dem Grünprojekt verbundene städtische Entwicklung war ein weiterer bedeutender Meilenstein der Stadt und dies nicht nur in gestalterischem Sinne, sondern auch, was die Stärkung des ohnehin anerkennungswerten bürgerschaftlichen Engagements und das Leben eines Gemeinschaftsgefühls in der Stadt betrifft. Ladenburg ist durch diese Gesamtentwicklung noch lebenswerter und erlebnisreicher geworden. Sie sind herzlich eingeladen, diese einzigartige Atmosphäre der Stadt aufzuspüren.

Für diese Anstrengungen erntete die Stadt viel Lob in Form von Würdigungen und Preisen. U. a. erhielt die Stadt im Jahre 2006 das Prädikat "Deutschlands schönster Park" und 2007 wurde die Stadt im Rahmen des bundesweiten Wettbewerbs "Entente Florale – unsere Stadt blüht auf" mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Im Rahmen des 10-jährigen Jubiläums der Entente Florale Deutschland wurde 2010 der Sonderpreis für "Nachhaltige Stadtentwicklung" unter allen 250 bisher am Wettbewerb teilnehmenden Kommunen ausgelobt. Die Stadt Ladenburg konnte diese Auszeichnung gewinnen, was eine weitere Bestätigung dafür ist, dass die Weichen der Stadtentwicklung richtig gestellt worden sind.

Für diese "Blicke von außen" ist die Stadt dankbar. Die Würdigungen und Preise sind gleichermaßen Verpflichtung wie Motivation, den eingeschlagenen Weg der Stadtentwicklung fortzusetzen, also mit dem gebotenen Respekt vor der Vergangenheit die Zukunft mit ökonomischer Vorsicht, ökologischer Weitsicht und sozialer Rücksicht nachhaltig zu gestalten.