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Machbarkeitsstudie zur Nahwärmeversorgung in der Altstadt vorgestellt


In der öffentlichen Gemeinderatssitzung am 25. März 2026 wurde die Machbarkeitsstudie für den Aufbau eines klimaneutralen Nahwärmenetzes in der Altstadt vorgestellt. Ziel ist es, die Wärmeversorgung langfristig nachhaltig, wirtschaftlich und unabhängig von fossilen Energieträgern zu gestalten. Die vollständige Machbarkeitsstudie kann auf der Homepage der Stadt von allen Interessierten eingesehen werden.

Bürgermeister Stefan Schmutz betont: „Die Transformation der Wärmeversorgung ist eine zentrale Herausforderung, insbesondere für unsere Altstadt. Die vorliegenden Ergebnisse zeigen ein Nahwärmenetz ist technisch und wirtschaftlich möglich, wenn Bürgerinnen und Bürger dies wollen. Es lohnt sich daher diese Diskussion gemeinsam und ernsthaft zu führen.“

Hintergrund der Untersuchung sind die gesetzlichen Rahmenbedingungen: Das Klimaschutzgesetz Baden-Württemberg setzt das Ziel der Klimaneutralität bis 2040. Zudem verpflichtet das Gebäudeenergiegesetz (GEG), dass neue Heizungen in Bestandsgebäuden ab dem 1. Juli 2028 zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. In Gebieten mit ausgewiesenen Wärmenetzen kann diese Vorgabe bereits früher greifen. Mögliche Änderungen durch ein angekündigtes Gesetz (GMG) sind derzeit noch nicht konkretisiert.

Auch die Entwicklung der Energiepreise unterstreicht die Notwendigkeit einer Neuausrichtung: Infolge geopolitischer Krisen unterlagen die Gaspreise zuletzt starken Schwankungen. Mit der Einführung des europäischen Emissionshandels (ETS2) ab 2028 wird zusätzlich eine CO₂-Bepreisung erwartet, deren Höhe aktuell auf 80 bis 300 Euro pro Tonne geschätzt wird. Gleichzeitig führt die zunehmende Elektrifizierung der Wärmeversorgung zu sinkenden Anschlusszahlen im Gasnetz und steigenden Netzentgelten.

Die Machbarkeitsstudie beinhaltet eine umfassende Ist-Analyse, die Bewertung erneuerbarer Energiepotenziale, Variantenvergleiche sowie Wirtschaftlichkeits- und Sensitivitätsanalysen.

Die Analyse zeigt insbesondere ein hohes Potenzial bei der Nutzung von Flusswärme (bis zu 78 MW Entzugsleistung). Auch Grundwasser bietet ergänzende Möglichkeiten, während dezentrale Luft-Wärmepumpen vor allem bei niedrigeren Temperaturen effizient arbeiten.

Auf dieser Grundlage wurden drei Versorgungsvarianten untersucht:

  • Variante 1 (zentral): Flusswasser-Wärmepumpe (3 MW) für die Grundlast, ergänzt durch einen Gaskessel (6 MW) für Spitzenlasten
  • Variante 2 (zentral): Ergänzung durch ein Blockheizkraftwerk (1 MW) mit strompreisoptimiertem Betrieb
  • Variante 3 (dezentral): Versorgung über Luft-Wasser-Wärmepumpen mit Heizstab für Spitzenlasten

Ein zentraler Bestandteil der Studie ist die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung. Grundlage ist die Kennzahl der Wärmegestehungskosten (WGK), die sämtliche Kosten und Erlöse über einen Zeitraum von 20 Jahren ins Verhältnis zum Wärmebedarf setzt. Anschlusskosten sind dabei bereits enthalten.

Die Ergebnisse zeigen:

  • Variante 1 weist die geringsten Wärmegestehungskosten auf, insbesondere durch vergleichsweise niedrige Investitions- und Betriebskosten sowie hohe Förderquoten
  • Variante 2 ist teurer, unter anderem aufgrund geringerer Förderanteile und stärkerer Abhängigkeit von Stromerlösen
  • Die zentralen Varianten liegen preislich bei etwa 70 % (V1) bzw. 76 % (V2) der dezentralen Lösung

Die Erlösstruktur unterscheidet sich deutlich: Während bei Variante 1 rund 95 % der Erlöse aus Fördermitteln stammen, basiert Variante 2 nur zu etwa 30 % darauf. Weitere Einnahmen ergeben sich hier aus Stromkosteneinsparungen und Stromverkauf.

Die Wirtschaftlichkeit hängt maßgeblich von der Anschlussquote ab. Sinkt diese, steigen die Wärmegestehungskosten deutlich an. Variante 1 ist ab einer Anschlussquote von etwa 60 %, Variante 2 ab etwa 67 % günstiger als die dezentrale Lösung. Auch der kalkulatorische Zinssatz beeinflusst die Ergebnisse, insbesondere bei den kapitalintensiveren zentralen Varianten.

Darüber hinaus wurden mögliche Erweiterungsgebiete betrachtet. Diese weisen ein zusätzliches Wärmebedarfspotenzial von rund 31 bis 34 GWh pro Jahr auf. Insbesondere ein mögliches Neubaugebiet auf dem ehemaligen ABB-Areal könnte als sogenannter „Ankerkunde“ die Wirtschaftlichkeit deutlich verbessern und weitere Anschlüsse nach sich ziehen.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass ein Nahwärmenetz grundsätzlich wirtschaftlich betrieben werden kann, jedoch weitere größere Abnehmer erforderlich sind. Empfohlen wird, die zentrale Variante 1 weiter zu verfolgen, da sie die geringsten Kosten und die niedrigsten Treibhausgasemissionen aufweist. Der Einsatz eines Blockheizkraftwerks wird zwar als technisch interessant bewertet, ist jedoch aktuell mit regulatorischen Unsicherheiten verbunden.

Die Machbarkeitsstudie stellt einen ersten Aufschlag für die zukünftige Wärmeversorgung dar. Konkrete Entscheidungen sind damit noch nicht getroffen. Vielmehr bildet sie die Grundlage für eine vertiefte Auseinandersetzung.

Im Herbst wird die Stadtverwaltung die Bürgerinnen und Bürger zu einem Infoabend einladen, um die Ergebnisse vorzustellen, Fragen zu beantworten und gemeinsam über die nächsten Schritte zu diskutieren.

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Redakteur / Urheber