Gedenken an die Deportation der letzten jüdischen Bürgerinnen und Bürger Ladenburgs
Am 22. Oktober 1940 endete die Geschichte jüdischen Lebens in Ladenburg. An diesem Tag wurden die letzten 27 jüdischen Männer, Frauen und Kinder in das südfranzösische Internierungslager Gurs deportiert. Nur acht der Deportierten überlebten den Holocaust, keiner von ihnen kehrte nach Ladenburg zurück. Eine Stele in Form einer Tora, gestaltet von Schülerinnen und Schülern des Carl-Benz-Gymnasiums, erinnert an den Versammlungsort in unmittelbarer Nähe zum Marktplatz. Zum Gedenkens an die Opfer legte Bürgermeister Stefan Schmutz dort weiße Rosen nieder.
„Mit dem Erinnern an die Deportation vor 86 Jahren wird Geschichte konkret, bleibt das Leid und die Namen derer unvergessen. Die Entmenschlichung und Entrechtung einstiger Nachbarn, Arbeitskollegen und Schulfreunde durch das Nazi-Regime wurde möglich, weil die Mitte der Gesellschaft tatenlos blieb. Diese Lehre aus unserer eigenen Geschichte sollte stets Auftrag und Mahnung sein, dass wir bereits Anfängen von Diskriminierung und Intoleranz entschieden im Alltag entgegnen“, betont Bürgermeister Stefan Schmutz.
Am frühen Morgen des 22. Oktober 1940 zwangen Polizeibeamte und SS-Angehörige die jüdischen Bürgerinnen und Bürger Ladenburgs, binnen 20 Minuten ihre Habseligkeiten zu packen und sich auf dem Marktplatz einzufinden. Die Deportation kam für die Betroffenen überraschend; viele konnten nur das Nötigste mitnehmen. Die 27 Menschen im Alter zwischen einem und 85 Jahren wurden unter Bewachung nach Mannheim gebracht. Von dort wurden sie gemeinsam mit Tausenden weiteren Jüdinnen und Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland in das Internierungslager Gurs am Fuße der Pyrenäen verschleppt. Die Lebensbedingungen dort waren katastrophal. Viele Deportierte starben an Hunger, Krankheiten und Entkräftung. Zahlreiche Überlebende wurden später in nationalsozialistische Vernichtungslager deportiert und ermordet.
Unter den aus Ladenburg deportierten Menschen war auch Ruth Steinfeld, die heute in den USA lebt und 2025 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. Ihre Lebensgeschichte steht beispielhaft für das Schicksal der Verfolgten und Überlebenden. Sie mahnt, die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen wachzuhalten und Antisemitismus und Ausgrenzung entschieden entgegenzutreten.
Die Spren des früheren jüdischen Lebens bestehen dennoch in verschiedenen Formen bis heute fort und werden in der Broschüre "Spuren jüdischen Lebens in Ladenburg - Ein Rundgang" an 16 Stationen vorgestellt.